Berufsbild Heilerziehungspfleger/-in

1. keine bundeseinheitliche Regelung

Die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger / zur Heilerziehungspflegerin ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Demzufolge gibt es unterschiedliche Berufsbezeichnungen. Gängig sind: Erzieher/in (Heilpädagogik), Heilerzieher/in, Pfleger/in - Heilerziehung.

Die englische Berufsbezeichnung lautet: Curative educating nurse (m/f), die französische: Infirmier/Infirmière - éducation thérapeutique.

In England und Frankreich haben diese Berufe allerdings andere Inhalte, setzen andere Abschlüsse voraus, sind also mit dem deutschen Berufsbild nicht vergleichbar.

2. Charakterisierung des Berufsbildes

Das Berufsbild des Heilerziehungspflegers / der Heilerziehungspflegerin läßt sich wie folgt charakterisieren:

Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen bzw. Heilerzieher/innen haben die Aufgabe, geistig, körperlich, seelisch und mehrfach behinderte Menschen aller Altersgruppen zu pflegen, erziehen, fördern und zu unterstützen sowie sie bei der sozialen und beruflichen Eingliederung zu begleiten.

Fachkräfte der Heilerziehung üben ihre Tätigkeit üblicherweise in Einrichtungen des Sozial- und Pflegewesens aus. Dort üben sie die direkte pädagogisch-pflegerische Verantwortung für eine Gruppe behinderter Menschen aller Altersstufen und Behinderungsgrade aus. Sie müssen sich um das leibliche Wohl und die Förderung der persönlichen Entwicklung und der Gemeinschaftsfähigkeit der ihnen anvertrauten Menschen kümmern. Sie sollen für ein Umfeld des Sich-Geborgen, des Sich-Wohl- und -Sicher-Fühlens sorgen. Solch eine beschützende Atmosphäre herzustellen und zu erhalten, ist eine der Kernaufgaben der Fachkräfte der Heilerziehung.

Heilerziehungspfleger/innen sowie Heilerzieher/innen sortieren die Hilfen der unterschiedlichen Fachdienste in den alltäglichen Lebensablauf der behinderten Menschen ein. Sie arbeiten eng mit dem Team und Fachdiensten anderer Einrichtungen zusammen. Der behinderte Mensch soll aus ganzheitlicher Sicht betrachtet werden!

Die Heilerziehungspfleger/innen sowie Heilerzieher/innen erarbeiten etwa Förderpläne und führen diese in Kooperation mit den Angehörigen anderer beteiligter Berufsgruppen durch. Dabei haben sie z.B. auch die Möglichkeit sich an den therapeutischen Maßnahmen der Fachdienste zu beteiligen und diese erforderlichenfalls weiterzuführen.

Den behinderten Menschen soll größtmögliche Selbstständigkeit gegeben werden. Sie sollen zu sinnerfülltem Leben und zur Eingliederung in die Gemeinschaft hingeführt werden.

Die Tätigkeit der Heilerziehungspfleger/innen sowie Heilerzieher/innen muss zu jeder Zeit die Art und den Grad der jeweiligen Behinderung beachten. Die noch vorhandenen Fähigkeiten der behinderten Menschen sollen gefördert und erhalten werden. Es soll eine Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. Wichtig ist, dass immer ein Augenmerk auf die Erhaltung der Eigenständigkeit und Selbstbestimmung der Menschen gerichtet wird, die der Obhut anvertraut sind.

Es sind nicht alle der beschriebenen Aufgaben direkt auf die Person des behinderten Menschen bezogen: Heilerziehungspfleger/innen sowie Heilerzieher/innen sollen auch konkreten die Lebensumwelt der behinderten Menschen mitgestalten. Erziehen und Pflegen stehen in einer untrennbaren Einheit, müssen jedoch nach dem Grad der im Einzelfall vorliegenden Behinderung unterschiedlich abgewogen werden.

Das Aufgabengebiet ist also sehr differenziert: Die Kombination von erzieherischen und pflegerischen Tätigkeiten erstreckt sich auf sämtliche Lebensbereiche behinderter Menschen. Der Umfang hängt von der Art und Schwere der Behinderung und von der aktuellen Unterbringung der behinderten Menschen (Krankenhaus, Wohnheim oder zu Hause) ab. Die pflegerischen und erzieherischen Maßnahmen orientieren sich also immer an den individuellen Bedürfnissen der zu pflegenden Person.

3. Beispiele

Stichworte sind: pflegen, betreuen, fördern, integrieren.

Die anvertrauten behinderten Menschen werden mit dem Ziel begleitet und unterstützt, die Selbständigkeit im hauswirtschaftlichen Bereich wiederzuerlangen.
Die körperliche Hygiene schwerstbehinderter oder bettlägeriger und kranker behinderter Menschen wird gewahrt, für eine angemessene Bekleidung gesorgt.
Verhaltensstörungen werden durch individuelle Betreuung abgebaut.
Freizeitaktivitäten werden geplant und durchgeführt.
Die berufliche und soziale Eingliederung wird durch Unterstützung bei der Arbeit gefördert.
Menschen mit Behinderungen in allen Situationen des Alltags, soweit sie nicht eigenständig gemeistert werden können, helfen und unterstützen.
Maßnahmen der Grundpflege bei Kranken und Bettlägerigen durchführen.
Hauswirtschaftliche Tätigkeiten ausüben.
Erstellen von Entwicklungs- und Verlaufsberichten.
Medikamente registrieren, verwahren, bestellen und ausgeben - nach ärztlicher Verordnung.
Die Aufsichtspflicht ausüben.
Ein Gruppenmilieu, in dem sich der Mensch mit Behinderungen wohlfühlt, schaffen und erhalten.
Die künstlerisch-musische Aktivitäten, wie beispielsweise Tanzen, Singen, Musizieren und Basteln, fördern.
Feste und Feiern als Gruppen- oder Heimveranstaltungen organisieren und gestalten.
Beziehungen mit den Angehörigen, Eltern, Verwandten, Freunden der anvertrauten Personen aufbauen und unterstützen.
Öffentlichkeitsarbeit durchführen, etwa einen Tag der offenen Tür in Einrichtungen, wobei Gespräche mit Besuchern und Interessenten geführt werden.
Selbstständig lebende behinderte Menschen individuell betreuen.
Die Nachbetreuung und Begleitung der anvertrauten Menschen beim Übergang in eine weitgehend selbstständige Wohn- und Lebensform.
Die Erstellung und Führung von Förderplänen, beispielsweise im lebenspraktischen, musischen und sozialen Bereich, erstellen.
Therapeutische Maßnahmen anregen, organisieren und unterstützen.
Unterstützung der beruflichen Eingliederung auf dem freien Arbeitsmarkt.


4. Spezialisierungen

Mit der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger / zur Heilerziehungspflegerin kann in den Funktions-/Tätigkeitsbereichen Soziale Hilfe und Aus- und Weiterbildung, Lehre, Erziehung gearbeitet werden. In diesen Bereichen kann man sich z.B. spezialisieren auf:
Tagesstätten für behinderte Menschen,
Wohnheime für behinderte Menschen,
Integrative und Sonder-Kindergärten,
Werkstätten für behinderte Menschen,
Rehabilitationskliniken,
Einrichtungen der Psychiatrie,
Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke,
Alten- und Altenpflegeheime.